Neue Bestimmungen zur Legasthenie/LRS

Die Bekanntmachung für Unterricht und Kultus (KMbek) vom 16. Nov. 1999 (Nr. IV/1a-S7306/4-4/127 883) zum Thema Legasthenie, bzw. Lese-Rechtschreibschwäche ist überholt. Ab dem 1.9.2016, also ab dem  Schuljahr 2016/2017 gelten folgende Regelungen, zu finden im Internet unter „Bayerisches Kultusministerium Legasthenie – Staatl. Schulberatung in Bayern – Legasthenie“:

„Die bisherige Unterscheidung zwischen Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie entfällt. Voraussetzung für die Anerkennung einer Lesestörung, Rechtschreibstörung oder Lese-Rechtschreibstörung ist

  1. ein Gutachten von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder weiterer anerkannter Stellen, einschließlich einer schulpsychologischen Stellungnahme
  2. ein schulpsychologisches Gutachten

Die Schule kann individuelle Unterstützungsmaßnahmen, Nachteilsausgleich oder Notenschutz gewähren. Die Entscheidung trifft jeweils die Schulleitung.

Damit ist die KMBek von 1999 außer Kraft gesetzt.

Alte Bescheide behalten vorerst ihre Gültigkeit. Alle LRS-Fälle (d.h. Diagnosen einer Lese-Rechtschreibschwäche, Anm. d. Verf.) an den Schulen werden vorerst als Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) weitergeführt. Maßnahmen des Nachteilsausgleiches, des Notenschutzes werden überprüft. Weitere Auskünfte erteilen die Schulpsychologen an den jeweiligen Schulen oder die Staatl. Schulberatungsstellen.“

Für Sie als Eltern noch einmal die Definition einer Lese-Rechtschreibstörung, d.h. einer Legasthenie:

Die Legasthenie ist eine umschriebene und schwerwiegende Beeinträchtigung des Erlernens von  Lesen und Rechtschreibung, die in Besonderheiten von Hirnfunktionen begründet ist. Diese in allen Schriftsprachen vorkommende Teilleistungsstörung ist veranlagt und nicht Folge von unzureichender Beschulung, einer Intelligenzminderung oder anderer körperlicher, neurologischer oder psychischer Krankheiten.“ (Warnke et al. 2002, 14)

Mit anderen Worten: eine Legasthenie liegt dann vor, wenn die Problematik mit großer Wahrscheinlichkeit auf erblichen Faktoren beruht und nachfolgende Beeinträchtigungen weitgehend ausgeschlossen werden können.

Meine langjährige Erfahrung als Lehrerin und Schulpsychologin hat gezeigt, dass die weit, weit überwiegende Anzahl der Kinder eine erblich bedingte Legasthenie aufweisen, da oben genannte Beeinträchtigungen nicht relevant, bzw. sogar meistens ausgeschlossen werden konnten. Ein weit verbreiteter Irrtum war auch, dass eine Legasthenie eine schwere Form  und eine Lese-Rechtschreibschwäche  nur eine leichte Form  dieser Lernproblematik darstellt. Der Unterschied lag lt.  KMBek von 1999 in der Ursache  begründet und nicht im Ausmaß der Beeinträchtigung. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass eine Überarbeitung dieser KMBek nunmehr stattgefunden hat und auf den Hinweis einer Lese-Rechtschreibschwäche völlig verzichtet wurde.

Zusammenfassend möchte ich Ihnen die wichtigsten Neuerungen noch einmal vorstellen:

  • Alle bisher diagnostizierten Lernschwierigkeiten beim Lesen und/oder Rechtschreiben werden als Legasthenie anerkannt.
  • Im Gegensatz zur bisherigen Praxis kann die Legasthenie nun auch durch den Schulpsychologen begutachtet werden. Es ist nicht mehr notwendig, dazu einen Kinder- und Jugendpsychiater zu konsultieren.
  • Die Schule kann einen Nachteilsausgleich, einen Notenschutz oder Unterstützungsmaßnahmen gewähren. Darüber entscheidet die Schulleitung.

Es bleibt abzuwarten, wie  in der Praxis diese Neuerungen zukünftig umgesetzt werden. Besonders der letzte Punkt: Die Schule kann einen Nachteilsausgleich……. gewähren  gibt Anlass, auf die genaueren Bestimmungen gespannt zu sein, die sicher in den nächsten Monaten bekannt gegeben werden Ich werde alle nachfolgenden Artikel zeitnah aktualisieren.

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